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RIP Debby Winkler

Wir erinnern uns an unsere großartige Reiterkameradin

Am 3. April hätte Debby Geburtstag gehabt …

debby-und-hgwDer 3. April war neben uns vom PFRV und dem Goldstadt Cup-Team vor allem für unseren inzwischen 89-jährigen Mit-Gründervater des S&G Goldstadt-Cup, Hans Günter Winkler, ein besonders schwerer Tag. Seine Frau und unsere langjährige Reiterkameradin Debby wäre 56 Jahre alt geworden. Eine kleine Erinnerung aus Ludwigs Pferdewelten an eine bemerkenswerte Frau an der Seite des erfolgreichsten Springreiters aller Zeiten. 

Im Grunde genommen nur zweimal stand sie in dickeren Lettern in deutschen Zeitungen.  Erstmals 1994, als sie die vierte Ehefrau  von Hans Günter Winkler wurde, und dann zum  zweiten Mal im Februar 2011. Nach einem Unfall im Anschluss an ein normales Training in der benachbarten Bundeswehrsportschule in unmittelbarer Nähe ihres Zuhauses in Warendorf. Das Training war beendet, sie war auf dem Heimritt. Da muss es passiert sein an diesem 18. Februar vor drei Jahren, dieser Unfall, unerklärlich für jeden, voller Geheimnisse, rätselhaft für immer.

Niemand als Zeuge. Es gab und gibt nur Vermutungen. Nur wenige Meter durch eine kleine Waldung, da könnte sich die Stute erschreckt haben. Die Wahrheit wird man nie erfahren können. Debby Winkler wurde bewusstlos auf dem Boden liegend gefunden, mit schweren Kopfverletzungen trotz des Helms, den sie beim Reiten immer trug, mit Brüchen der Wirbelsäule. Sie starb drei Tage später am 21. Februar 2011 in der Uniklinik in Münster, ohne nochmals das Bewusstsein erlangt zu haben. Debby Winkler aus New Rochelle am Nordrand New Yorks  durfte nur 51 Jahre alt werden.

Am 5. September 72 in München …

Die erste direkt empfundene Begegnung mit Deutschland fand für Debby Winkler 1972 statt. Die damals 13 Jahre alte Amerikanerin Debby Malloy war Mitglied der US-Nachwuchsmannschaft der alpinen Skirennläufer und befand sich mit dem Team in einem Kleinbus auf der Rückfahrt vom Training in Österreich zum damaligen Flughafen in München-Riem. Es war Dienstag,  5.September, der Tag des Überfalls palästinensischer Terroristen auf die israelische Mannschaft während der Olympischen Sommerspiele in der bayerischen Metropole, die so heiter begonnen hatten. Debby Malloy registrierte die Nervosität in der Öffentlichkeit nur am Rande, ihr späterer Ehemann holte genau eine Woche später zum Abschluss der Spiele im Olympiastadion auf Torphy zusammen mit Hartwig Steenken auf Simona, Fritz Ligges auf Robin und Gerd Wiltfang auf Askan seine fünfte Goldmedaille.

Hartes Training bei HGW 1986

Wegen einer schweren Bänderverletzung im Knie musste Debby Malloy den Skisport aufgeben, sie wandte sich dem Reitsport zu, „Reiten war immer eine Alternative zum Ski“, sagte sie später. Hans Günter Winkler hatte sie erstmals 1973 im berühmten New Yorker Madison Square Garden beim ehemals so berühmten Turnier gesehen, er war ihr aufgefallen,  „weil er sein Pferd mit Martingal ritt, das kannte ich noch nicht“, erzählte sie mal. Zwölf Jahre später schmuggelte sie sich in einen Lehrgang des bekannten deutschen Springreiters, sie konnte sich nach eigenen Angaben nicht mehr an den Namen erinnern, „doch an die Stimme jenes Reiters, der ein Pferd mit Martingal geritten hatte.“ 1986 kam sie nach Warendorf zum fast weltbekannten Drill-Training bei  Hans Günter Winkler. Sie hatte sich aber damals gesagt, da müsse sie durch, „denn ich wollte ja nach oben.“. Das Training war hart, fast brutal. Sie trainierte auf Kondition („weil ich keine hatte“) teilweise wie ein Profiboxer, beispielsweise 15 Minuten Seilspringen ohne Pause, täglich schwamm sie 1.200 m.

Mit HGW bildete sie junge Pferde aus, dafür hatte sie ein Händchen und Gefühl, vor allem Geduld. Der von ihr in den Sport gebrachte Wallach Allerdings ging unter dem Schweden Henrik von Eckermann bei den Olympischen Sommerspielen in London im letzten Jahr.

„In mir steckt ein bisschen Cowboy“

Debby Winklers Vorfahren stammten aus Spanien und kamen über Kuba in die USA. Sie  mochte klassische Musik, erlebte glücklich ein Konzert des auch bereits gestorbenen Startenors Luciano Pavarotti im Gerry-Weber-Stadion in Halle, sie las viel und schrieb gerne prägnante Sätze in ein Heft ab, wie zum Beispiel: „Die amerikanische Seele ist hart, mutig und tödlich.“ Den Unterschied zwischen Amerika und Deutschland beschrieb sie so: „In den USA musst Du ein Champion sein, das ist Voraussetzung, in Deutschland nicht. Hier kann man dennoch gut leben. – ohne ein Champion zu sein.“

Den US-Pass hatte sie nie abgegeben, „denn in mir steckt immer noch ein bisschen von einem Cowboy von drüben“, wie sie mal offenherzig erzählte. Ihr Traum war immer, einmal in einem Preis der Nationen für die USA zu starten. Er blieb unerfüllt. – Ludwigs Pferdewelten